isl. kani `Henkelgefäß, Schüssel (poet.), norw. dial. kane `Henkelschale', schwed. dial. kana `Schlitten', dän. kane `Schlitten' (älter dän. auch `Boot'), mnd. kane `Boot' (woraus aschwed. kani `Boot'), ndl. kaan `kleines Boot, Kahn' (aus dem Ndd. stammt auch nhd. Kahn, s. Kluge EWb. s. v., v. Bahder, Wortwahl 30); damit ablautend aisl. kǣna `Art Boot'; dazu weiter(< *gandhnā) anord. kanna, aschw. kanna, dän. kande, ags. canne, and. kanna, ahd. channa `Kanne', woraus spätlat. canna entlehnt ist; aus fränk. kanna auch prov. cana `Hohlmaß', afr. channe `Kanne', s. Meyer-Lübke 1596, Gamillscheg EWb. d. Franz. 168; daneben ahd.chanta, canneta, fränk. cannada `Kanne' (< gandhā).
gr. γαγγαίνειν τὸ μετὰ γέλωτος προσπαίζειν Hes.;
ags. canc u. ge-canc `Spott, Hohn, Tadel' (= ai. gañja-ḥ), cancettan `spotten', anord. kangen-yrðe `höhnende Worte' (ags. cincung `lautes Lachen', engl. mdartl. kink `laut lachen' hat expressives i, wie nhd. kichern usw.);
vielleicht gehört nir. geōin `Geschrei, Lärm, Freude, Verspottung' hierher, wenn aus *ganksni-, alter *gang-sni-; mir. gēim `Gebrüll', gēssim `schreie', gēsachtach `Pfau' könnten dann auch dazugehören.
Die Sippe scheint ursprüngl. schallmalend. Ähnliche Schallwörter sind ai. gúñjati `summt, brummt', gr. γογγρύζειν `grunzen', spätgr. γογγύζω `murre, gurre', aksl. gǫgъnivъ `schwer sprechend', russ. gugnati (alt) `murmeln', gugnjá `Stotterer', poln. gęgać, gęgnać `schnattern'(von der Gans), usw. Lat. ganniō `kläffe, belfere, schäkere' ist wohl unabhängige Schallbildung.
gr. γη̃ρυς, dor. γα̃ρυς `Stimme'; γαρριώμεθα λοιδορούμεθα Hes., mit rr wie
lat. garriō, -īre `schwatzen, plaudern, plappern (selten von Tierlauten)', garrulus `geschwätzig';
air. gar- `rufen' in ad-gair `verklagt' (*ĝar-e-t), ar-gair `verbietet', do-gair `ruft' usw.; cymr. gair `Wort' (*ĝar-i̯o-), dyar `Lärm, Traurigkeit': mir. do-gar `traurig' (*du(s)-ĝaro-); air. fo-gor `Ton, Laut' (*upo-ĝaro-), abret. ar-uuo-art `fascinavit'; air. gairm n. (kelt. *gar-(s)mn), cymr. corn. bret. garm ds. (: as. karm `Wehklage'); dehnstufig air. gāir f. `Geschrei', gāire `Lachen', cymr. gawr `Geschrei, Kampf';
ahd. chara f. `Wehklage', nhd. Kar-freitag, got. kara f., ags. cearu f. `Sorge' (davon ahd. usw. karōn `beklagen, wehklagen', ahd. charag `betrübt', mhd. karc `klug, listig, geizig', nhd. karg, ags. cearig `traurig, bekümmert', engl. chary `vorsichtig, sparsam'), as. karm (s.oben), ags. cearm, cierm m. `Geschrei'.
gr. γοργός `Furcht erregend, grausig, wild', Γοργώ `Schreckgespenst', γοργοῦσθαι `wild werden (von Pferden, d. i. sich erschrecken)', γοργώψ, γοργωπός `schrecklich blickend' (die gr. Worte aus *γαργό- assimiliert??);
air. garg, gargg `rauh, wild';
andrerseits mir. grāin `Häßlichkeit, Ekel, Scheu' (*gragnis), grānda (*gragnodi̯os) `häßlich', cymr. graen `Trauer, Kummer; abscheulich';
lit. gražóju, gražóti `bedrohen', lett. gražuôt `grollen, eigensinnig sein', gręzuôt `drohen' (zum lett. e aus a hinter r s. Endzelin Lett. Gr. 36 f.);
aksl. groza `Graus, Schauder', skr. gròzá, poln. groza ds., russ. grozá `Drohung, Strenge, Unwetter', ksl. groziti `drohen', sloven. groziti, poln. grozić, russ. grozitь ds.; gróznyj `schrecklich, grausam'.
lat. gaudeō (*gāu̯-edh-ei̯ō) `freue mich', gaudium `Freude';
mir. gūaire `edel' (*gauri̯os);
umgestellt lit. džiaugiúos `freue mich' (aus *gaudžiúos);
nach Pedersen (Toch. 109) hierher toch. В kāw- `begehren', kāwo `Verlangen', A kāwas ds., kāwälte `schön'.
lit. žãbas m. `Ast, Reisig, Zaum', žabà f. `Rute', žãbaras `dürrer Ast', žabóju, žabóti `aufzäumen', žaboklas m. `Zügel', į́-žaboklis `Knebel', ablaut. žúobris (Kurschat žuobrỹs) `Pflugschar', lett. žabuôt `dem Tier einen Knebel ins Maul stecken'.
dazu mit expressiver Konsonantendehnung (g : gg : kk):
aisl. kaggi `Fäßchen, Tönnchen', mnd. kāk `Schandpfahl, Pranger', ahd. slito-chōho f. `Kufe', nhd. (oberdeutsch) kueche `Schlittenkufe'; dissim. Kufe ds.;
lit. žãgaras `dürrer Zweig', Pl. `Reisig, Gebüsch', žãgrė `Pflug', žiõgris `Zaun', lett. žagari `Reisig', žagas Pl. f. `loses Laub';
unklar ist die Herkunft von ags. cǣg(e) f. `Schlüssel, Lösung', afries. kei, kai (*kaiga-), mnd. keie ds.; zweifelhaft die von arm. cag `Erhöhung, Gipfel, Ende' (Petersson Heter. 89 f.).
aisl. keikr `mit zurückgebogenem Oberkörper, mit gehobenem Kopf und Schultern', norw. keik ds., keik m. `Biegung, Drehung, Schiefheit, Verrenkung', aisl. keikia `den Oberkörper rückwärtsbiegen, aisl. kikna `sich rückwärtsbiegen', dän. kei, keitet `linke Hand'.
geibh- :
Lat. gibber `buckelig, höckerig'. gibber, -is m. `Buckel, Höcker', gibbus `gebogen; Buckel, Höcker' (mit `expressiver' Gemination aus *gībus);
norw. dial. keiv `schief, gedreht, verkehrt', keiva `linke Hand', keiv, keiva `linkische, unbeholfene Person';
lit. geibùs `plump, ungeschickt', geibstù, geĩbti `schwach werden, umsinken, verenden'; dazu mit Anlautsvariante gu̯ nach Trautmann KZ. 42, 372: lit. gvaibstù, gvaĩbti `ohnmächtig werden, in Ohnmacht fallen', intens. gváibėti?; lett. (mit dissimilatorischem Schwund des u̯ vor b, oder Entlehnung aus dem Litauischen? s. Mühlenbach-Endzelin I 582, 695, 698) ǵibstu, ǵibt `einsinken, sich senken, sich bücken', ǵèibstu, ǵèibt `umkommen, sterben', ǵeĩba `Schwindel, ungeschickter, schwächlicher Mensch', gaĩba `Törin'.
geim- :
Norw. dial. keima `sich seitwärtsbiegen, den Kopf schief halten, schwingen, bin und her schweben', kima `sich drehen, wiegen (vor Freude)'.
geis- :
Aisl. keisa `biegen, krümmen', ON Kīsi, isl. keis `runder Bauch', norw. dial. keis `Bewegung, Krümmung', kīs `Buckel', schwed. kesa `in wilder Flucht fliehen', schwed. norw. dial. kīsa `schielen, blinzeln'. Dazu weiter mit gramm. Wechsel afries. kēra, as. kērian, kierian, ahd. kēran `wenden, drehen' (wozu die retrograde Bildung kēr und kēra `Wendung, Drehung'), mhd. kēren, nhd. kehren, schweiz. chīren `nach einer Seite neigen'. (Anders über kēran Scheftelowitz BB. 28, 296, der es mit arm. cir `Kreis' vereinigt, wozu Petersson PBrB. 44, 178 noch osset. zīlin, zelun `herumdrehen' stellt.)
Hierher auch mit Petersson LUȦ 1922, 2, 39 ff. arm. kikel `krümmen, biegen' (zu *kik < *gisu̯o??), und russ. dial. žíchatь, zíchatьsja `sich neigen, nachgeben, schwanken', žichljatь `zum Schwanken bringen'?
aruss. gaju, gajati `krähen', russ. gajь m. `Dohlengekrächze, Geschrei', gákatь `ächzen, krächzen' usw.;
baltisch *gēidō in lit. gíedu und gíestu, giedóti `singen, krähen', lett. dziêdu, dziêdât `singen'; dazu lit. gýstu, gýdau, gýsti `zu singen, zu krähen anfangen', gaidỹs m. `Hahn', giesmė̃ f. `Kirchenlied', lett. dziêsma f. `Lied', gaîlis m. `Hahn'.
toch. A kāk, В kāka `er rief' (redupl., zu ai. gāti), Präs. 3. Pl. keneńc (*gēi-n-?), Pedersen Tochar. 183, 263.
got. keinan, us-keinan `keimen', us-kijans `hervorgekeimt'; ahd. chīnan `keimen, sich spalten, öffnen', ags. cīnan `bersten, offenstehen'; ahd. chīmo m., asächs. kīmo `Keim'; ags. cīð, as. kīð m. `Keim, junger Trieb', ahd. frumakīdi `erster Trieb'; as. kio, ags. cēon, cīun `branchia' (wohl *kijan-). Hierher wohl mit einer erst vom Bilde der aufberstenden Knospe ausgegangenen allgemeinen Bed. `bersten, sich spalten' ahd. kīl, nhd. Keil, mnd. kīl, norw. kīle m. `Keil' (oder diese von der spitz zulaufenden Form des Pflanzenkeimes? Formell aus *kī-ðlā́-, vgl. *kī́-þla- in:) ahd. kīdel, nhd. mdartl. keidel m. `Keil'; aisl. kīll m. `enge Meerbucht' (`*Spalt'), ablautend norw. keila f. `kleine Rinne, Kanal', mnd. kēl m. `enge Meerbucht'; mit ĭ ags. cinu f. `Ritze, Spalte', dän. mdartl. kin `Spalte'; vielleicht amhd. chil `porrus', mhd. kil m. `Zwiebeldes Lauchs', nhd. Kiel m. ds. (vgl. bair. auskielen von Eicheln, Zwiebeln u. dgl., `keimend die Schale, die Haut durchbrechen');
lett. zẽiju, ziêt `hervorblühen, zum Vorschein kommen', woneben mit d-Erw. (wohl ursprünglich d-Präsens) lit. žýd(ži)u žydė́ti `blühen', pražýstu, -žýdau, -žýsti `aufblühen', žíedas `Blüte, Ring', lett. ziêdu (ziêžu), ziêdêt `blühen'.
lit. žindù žį́sti `sauge'.
arm. kc-anem, Aor. 3. Sg. e-kic `stechen, beißen', kc-u `bitter, ranzig';
air. gēr `scharf, sauer' (*giĝ-ro-);
lit. gìžti `sauer werden', gaižùs, gižùs `ranzig, bitter, mürrisch', gaĩžti `bitter werden';
über alb. gjize `Ziger, Käse' s. vielmehr Jokl Idg. Jahrb. 18, 152.
apr. sixdo f. `Sand', lit. žiezdrà, `Kies, Korn', žiẽzdros `Kies, grober Sand', žiẽgzdros ds., auch m. žiẽgzdrai.
Fragwürdig die Zugehörigkeit des angeblich phryg. γίσσα `Stein' bei Steph. Byz. s. v. Μονογισσα.
Ai. gula-ḥ, gulī (Lex.), gulikā `Kugel, Ball, Perle', gúlma- m., n. `Geschwulst, Busch' (zum -ul- vor Kons. s. Wackernagel Ai. Gr. I 30); mit n-Suffix ai. guṇikā (Lex.) `Geschwulst';
gr. redupl. γαγγλίον n. `Geschwulst, Überbein';
lat. galla f. `Gallapfel' als `kugeliger Auswuchs' aus *gel-nā oder *gol-nā; daraus entlehnt ags. gealla, gealloc, nhd. `Gallapfel';
alb. gogëlë `Kugel, Ball; Gallapfel' (*gel-gal-nā);
älter holl. kal `Kern in Äpfeln und Birnen'; schwed. dial. kalm `Steinhaufen';
aksl. žьly (žely) `Geschwür', bulg. želka `Drüse, Geschwulst', russ. žolvь, žolvúj, želvak `Beule', čech. žluna, žluva `Geschwulst', klr. žolá `Erdnuß, Erdeichel'; poln. gleń, glon `Klumpen, Stück Brot'.
A. Gutturalerweiterungen:
gel-ĝ-:
Gr. γέλγῑς f., Gen. γέλγīθος (auch γέλγιος und -ιδος), Pl. γέλγεις `Knoblauchkern' (wenn nicht wegen ἄγλῑς, -ῑθος `Knoblauchkopf' = *ἁ-γλῑθ- `aus Teilknöllchen, Zehen zusammengesetzt' aus redupl. *γελ-γλῑθ- dissimiliert; doch vgl. auch:) ai. gr̥ñja-ḥ, gr̥ñjana-ḥ `Art Knoblauch', vielleicht auch gr. γέλγη Pl. `Trödelwaren' (wenn etwa `Rundwaren, Knöllchen', vgl. nhd. Kurzwaren);
schwed. kälk `Mark im Holz' (`Markkügelchen'), mengl. kelkes `ova of fishes', colk, colke `Apfelkern'.
Die folgenden nur germ. (und kelt.?) Wortgruppen (idg. gleĝ-, gloĝ-?) mit ihren expressiven Verschärfungen und Nasalierungen machen keinen idg. Eindruck, so
glek- in anord. kleggi (*klagjan-) `Heuhaufen', nasaliert nhd. mdartl. (siebenbg.) heu-kling, kläng `Heuhaufen', klang, klinge `kiesige seichte Stelle im Fluß, Sandbank'; ags. clingan `sich zusammenziehen, einschrumpfen', engl. cling `sich anklammern, festhalten; haften', anord. klengiask `auf jemand eindringen' (`*sich anklammern'), mhd. klingen `klettern' (mit Kons.-Schärfung nhd. dial. klinken `sich anklammern'), ahd. klinga, nhd. Klinge `enge Schlucht, Klamm', wozu mit gramm. Wechsel (also idg. *gle-n-k-) engl. clough (= ags. *clōh aus *klanh-) `steile Klamm', ahd. Clāh-uelde; ahd. klunga `Knäuel', Demin. klungilīn, nhd. Klüngel ds., schwed. klunga `gedrängter Haufen, Masse', klänga `klettern', anord. klungr (*klung-ra-, -ru-) `Dornbusch, Hagebutte';
mit germ. -k- (z. T. idg. g, z. T. germ. Kons.-Schärfung) anord. klaki `gefrorene Erdkruste', klakkr `Klumpen, Wollklumpen, Klecks, Wölkchen', mhd. klak `Fleck, Klecks'; ags. clyccan `packen, greifen' (engl. clutch), zu afries. kletsie `Spieß', schwed. klyka (*klykja) `Klammer, Gabel';
dazu (?) das auf urkelt. kk weisende mir. glacc, nir. glac `Hand', glacaim `erfasse';
nasaliert norw. dial. klank und klunk `Klumpen', mhd. klungeler f. `Troddel', glunkern `baumeln', nhd. Klunker `Kotklümpchen, Schleimklümpchen, Augenbutter' (ist aus ähnlicher Bed. des Unreinlichen vielleicht auch anord. klǣki n. `Schmach, Schande', ags. clacn `Beleidigung' geflossen?);
ndd. klinken `in Falten legen, einschrumpfen', klinksucht `Schwindsucht', mhd. klinke `Türklinke', ahd. klenken (*klankjan) `schnüren, binden', ags. be-clencan `festhalten', engl. clench, clinch `(die Faust) ballen; umfassen; nieten', mhd. klank `Schlinge; List, Ränke'.
Auf idg. gleĝ- weisen jedoch wohl russ. ksl. glez-nъ, -na, -no `Knöchel', poln. glozna ds. und dehnstufig russ. glazokъ `Kügelchen', glazъ `Auge', poln. gɫaz `Stein, Fels; Steinchen', gɫazný `glatt, geschickt' (vgl. Berneker 301 m. Lit., Persson Beitr. 792);
Zupitza (KZ. 36, 236) stellt mhd. kluoc(-g) `klug, schlau, höflich, zierlich' (germ. *klōʒa-), mnd. klōk (germ. *klōka-) `klug, listig, gewandt' zu air. glicc (nir. glic erweist urkelt. kk) `sapiens'; ursprüngl. `wie eine Kugel so glatt und so beweglich'??
B. Dentalerweiterungen:
gel-t-: zunächst (als `Anschwellung - Mutterleib - fētus', wie unten bei Kalb, kilburra): ai. jaṭháram `Bauch', jarṭú- `Gebärmutter'; allenfalls ai. guṭikā `Kügelchen, Pille, Perle, Trinkbecher' (eher dial. aus guḍikā ds.);
got. kilþei f. `Mutterleib', in-kilþō `schwanger', ags. cild n. `Kind', engl. child.
Mikkola BB. 21, 225 verbindet auch scheinbar schwundstuf. schwed. kolla, kulla `Mädchen; Weibchen bei einigen Tieren' (*kulþ-) mit kilþei; über aschwed. kolder `Kinder aus einer Ehe' s. Lidén IF. 19, 335 und Wz. gol-.
*gle-t- vielleicht in ksl. glota `turba', serb. glȍta `Familie (Weib und Kinder); arme Leute; Unkraut; Unsauberkeit, Schmutz'?
Wegen der Unsicherheit des ai. Beispiels sind die folgenden, nur im Germ. sicher belegten Wortgruppen (idg. *gel-d-, *gle-d-?) nichtidg. Herkunft verdächtig:
mit der Bed. des Tierjungen ai. gaḍi-h, gali-ḥ `junger Stier' (?);
dazu tiefstufig ags. colt `Junges von Tieren', engl. colt `Füllen'?;
aisl. kialta, kilting `Bausch, bauschige Falte des Kleides', norw. dial. kult `Holzstumpf, Bergknollen, plumpe dicke Figur' (schwed. auch `halberwachsenes Ferkel', vgl. oben ags. colt);
nasaliert (*glend-) aschwed. klinter `Berggipfel, Bergknollen', aisl. klettr `Fels, Klippe', mnd. nnd. klint `Fels, Klippe', ndd. klunt, klunte `Klumpen, Haufen; dickes Weib' = nhd. dial. klunze, ndd. klunter `Klümpchen von Kot oder Mist' (daneben mit germ. d ndd. klunder `Büschel, Haufe', norw. klundra `Knorren, Knoten' u. dgl.);
westfäl. klǣtern (as. *klātirōn) `klettern' (eigentlich `kleben oder sich fest anklammern'), ndd. klāteren, klatteren ds., nnd. klāter m. `festhaftender Schmutz'; mit ō mndl. holl. cloet, kloet `Stock; Ball, Knauf des Schwertes' (spätanord. klot `Schwertknauf' ist Lw. aus mnd. klōt = nhd. Kloß);
mit expressivem -tt-: mnd. klatte `Lappen' = nhd. dial. klatz `Schmutzfleck', mndl. klatten `beschmutzen', mhd. bekletzen ds., norw. schwed. mdartl. klatra `hudeln';
daneben mit expressivem dd: ndd. kladde `Schmutzfleck; Klette' (d. i. `die Klebende'); mit Dent. + s: norw. klessa (klass) `kleben, festhängen, platschen, klatschen', klessa (kleste) `schmieren, sudeln', klussa `beschmutzen, sudeln, lispeln'; aisl. kless `lispelnd'; vgl. aisl. klasi S. 362.
C. Labialerweiternngen:
geleb(h)-, glēb(h)- (: glǝb(h)-) und gleb(h)- (:gl̥b(h)-) `zusammenballen'.
Lat. (wohl eigentlich gall.) galba (*gelǝbh-?), nach Sueton gall. Bezeichnung für einen `homo praepinguis'; ein gall. *galbo- `Verdickung, Wade, Arm' wird auch wohl vorausgesetzt von galbeus, -eum `Armbinde, als Schmuck', vielleicht von galbulus `Zypressenzapfen', deren Vokalismus vermutlich aus *gelǝbh-;
anord. kalfi m. `Wade', kalfabōt `Lende', engl. calf `Wade', nhd. mdartl. Kalb `Muskel', ahd. wazzarkalb `Wassersucht' (`Aufschwellung durch Wasser'), womit sich (als `Anschwellung - Mutterleib - fetus', vgl. engl. in calf, with calf `trächtig') deckt ahd. kalb, Pl. kelbir `Kalb', ags. cealf, calfur n., anord. kalfr `Kalb', got. kalbō f. `junge Kuh, Färse', mit e-Stufe ags. cilfor-lamb, ahd. kilburra f. `weibliches Lamm';
lat. globus m. `Kugel, Haufe, Klumpen', dehnstufig lat. glēba f. `Erdscholle; Stückchen, Klümpchen' (daraus poln. gleba `Erdscholle' entlehnt).
Ist glēbō `rusticus' (`Schollen aufwerfend'??) gallisch (dann ĕ) oder nur im Latein Galliens aufgekommen?
Ahd. klāftra f. `Maß der ausgespannten Arme, Klafter' (*glēbh-); ablaut. anord. klafi m. `Halsjoch, Packsattel', mnd. klave `Halsjoch' (*klaƀan- `Zusammendrückendes'); ags. clyppan `umarmen' (*klupjan mit -lu- als Tiefstufe von -le-), afries. kleppa ds., schweiz. chlupfel `Bündel', engl. clasp (*claps-) `haken, spannen, umfassen, umarmen' (wohl auch air. glass `Schloß' aus *glabso-);
vgl. mit derselben Bed. `(mit den Armen) zusammendrücken' und einem ebenfalls am besten aus einer schweren Wzf. glēbh-: glǝbh- zu erklärenden Ablaut die balt. Sippe von lit. glė́biu, glė́bti `mit den Armen umfassen' (glėbỹs `Armvoll, Umarmung'), glóbiu, glóbti `umarmen, unterstützen', lett. glêbt, glâbt `schützen', lit. glabóti `aufbewahren, verwahren; erbitten', lett. glabât `hüten, bewahren, warten', apr. poglabū `herzte' (Mühlenbach-Endzelin I 621, 623 u. 626);
vielleicht dazu lit. gélbu, -ėti `helfen', gil̃bti `genesen', apr. galbimai 1. Pl. Konj. `wir helfen', pogalbton `geholfen' als *gelǝbh- (Trautmann 92);
slav. *globi̯ǫ, *globiti in serb. z-glȍbīm, zglòbiti `zusammenlegen, fügen', poln. gɫobić alt `drücken, zusammenfügen' (dehnstufig sloven. glâbim, glábiti `raffen') mit idg. ǝ oder eher о (: lat. globus).
Ferner mit der Bed. des `Geballten, Runden, Klotzigen' germ. *klapp- (intensive Konsonantenschärfung) in anord. klǫpp f. `Knüppelbrücke', mnd. klampe ds., schwed. klapper-sten `rundliche Steine zum Pflastern', mhd. klapf m. `Fels(kopf)';
germ. expressives *klabb- in norw. dial. klabb `anhaftender Klumpen', schwed. klabb(e) `Klotz, Bergknollen im Meer, kurzer, dicker Кпаbе' (tiefstufig anord. klubba `Keule', woher engl. club);
germ. *klēp- (vgl. lat. glēba; germ. p aus express. pp oder allenfalls einer Form mit idg. b) in anord. klāp-eygr `glotzäugig', klāpr ein Scheltwort (etwa `Klotz') u dgl.; über idg. qlēp- s. dort;
tiefstufig *kulƀ- in ahd. kolbo `Kolben, Keule (als Waffe), Knüttel', anord. kolfr `Pflanzenknollen, Pfeil', kylfi, kylfa `Keule u. dgl.'; daneben mit germ. -p- ndd. kulp-ōge `Glotzauge', mrhein. Külp `Schlagholz am Dreschflegel', schwed. dial. kulp `dicker Mensch'; mengl. cülpe, nengl. kelp `Salzkraut'.
Nasaliert glembh- (vielleicht z. T. durch Kreuzung von *glebh- und *glem-):
Mhd. klamben `fest zusammenfügen', anord. klembra `klettern', aisl. klǫmbr `Klammer', mhd. klemberen `verklammern', mhd. nhd. Klammer; engl. clamber `klettern', eigentlich `sich festklammern', wie auch ablaut. ahd. klimban `klimmen, klettern', ags. climban, mhd. klimben, klimmen `klimmen, klettern; zwicken, packen'; anord. klumba `Keule', klumbu-fōtr `Klumpfuß';
mit germ. p: aschwed. klimper `Klumpen, Kloß', aisl. kleppr `Klumpen, felsige Anhöhe', mhd. klimpfen `fest zusammendrücken'; ahd. klampfer `Klammer', mnd. klampe f. `Haken, Steg', nnd. klamp, klampe `Klumpen, Klotz' (nhd. Klampe `Klammer, Haken, Klotz' ist ndd. Lw., echt nhd. Klampfe); ags. clympe `Klumpen', ndd. klumpe `Klumpen' (nhd. Klumpe(n) ist ndd. Lw.);
poln. gɫąb, čech. hloub `Strunk'.
glem-:
Lat. glomus, -eris n. `Kloß (als Speise); Knäuel' (*glemos), glomerāre `ballen';
air. glomar `Zaum, Knebel' (vgl. S. 360 mhd. klammer);
ags. climman `klettern', mnd. klimmeren ds., mhd. klimmen (z. T. mit mm aus mb), auch `beengen' (nhd. beklommen), ags. clam(m) `Band, Griff, Fessel', ahd. klamma `Beengung, Klemme, Bergschlucht', nhd. Klamm, Kaus. ahd. nhd. klemmen, afries. klemma, ags. beclemman `einklemmen', mhd. klam `enge, dicht', nhd. (nd.) klamm `steif (krampfig) vor Kälte', tiefstufig norw. dial. klumra `mit steifen und erfrorenen Händen arbeiten';
mit erweit. *klam-d-: anord. klanda, klandra `verunglimpfen, ärgern, zu entwenden suchen';
lit. glomó-ju, -ti `umarmen'; mit -ĝ- erweitert lit. glemžiù, glem̃žti `zusammenraffen; zerknittern', lett. glemzt `langsam essen, Unsinn schwatzen';
ferner glēm-, glǝm- mit alter Bed.-Entw. zu `zusammenkleben, schleimige Masse':
gr. γλάμων `triefäugig', usw. (lat. glamae Lw.);
alb. nglomë, ngjomë `feucht, frisch' (*glēmo-);
anord. klām `Schmutzrede', engl. clammy `klebrig, zäh', ostpr. klamm `klebrig, feucht';
lit. glẽmės, glė̃mes, glė̃mos f. pl. `zäher Schleim', lett. glęmas, glemi `Schleim', glùmt `schleimig, glatt werden', glums `glatt' (auch glemzt `gedankenlos plaudern', glemža `Schwätzer', vgl. z. Bed. lett. gleîsts `Schwätzer': glîst `schleimig werden'); über lit. gléimės s. unten S. 364.
D. g(e)l-eu-, z. T. mit weiterer konsonantischer Ableitung:
Ai. glāu-ḥ f. `Ballen, Kugel, geballte Masse', npers. gulūle `Kugel';
gr. γίγ-γλυ-μος m. `Knochengelenk, Türangel';
air. glō-ṡnáthe, gláo-ṡnáthe `linea, norma' (wörtlich `Ballendraht');
anord. klē m. (*klew-an-) `Webstein', ags. clyne n. `Metallklumpen' (*klu-n-), schwed. kluns m. `Klumpen', isl. klunni `klotzige Person'; ahd. kliuwa, kliwa `Kugel, Knäuel', kliuwi, kliwi `Knäuel' (Demin. mhd. kliuwelīn, dissimiliert nhd. Knäuel), ags. clíewen `Garnknäuel' (engl. clew); tiefstufig mnd. klǖwen, holl. kluwen `Knäuel'; dazu mit Dehnstufe und Bed.-Entw. `die packende : Klaue' die Sippe von germ. *klēwā : ahd. klāwa `Kralle, Klaue', mhd. klāwe, mnd. klā `Kralle, Klaue, Huf, afries. klē, wozu mit Ablaut das Verbum *klawjan (geneuert *klawan) `mit den Nägeln kratzen, jucken', ahd. klauuenti `prurientes', mhd. klöuwen `kratzen', ags. clawan = anord. klā `reiben, kratzen' (anord. klǣja `jucken' Neubildung nach der 3. Sg. klǣr = *klawið), wozu *klawiþan- m. in anord. klāði m. `Jucken, Kratzen', ags. clæweða ds., ahd. glouuida (lies clouuida) `scabies'; aus dem Verbum stammt die Kürze von ags. clawu f. `Klaue, Huf' (engl. claw) und clēa f. (engl. mdartl. clea) ds. (letzteres = *klau aus clawu), sowie ahd. klōa `Klaue'; ahd. cluwi `Zange'; aisl. klō f. `Klaue, Nagel, Haken'; aisl. klunna `sich festhängen', vgl. ags. clyne, schwed. kluns `Klumpen', ags. clynian `einwickeln';
wahrscheinlich air. glūn `Knie' = alb. glu-ri (geg.), gju-ri (tosk.) `Knie' (mit idg. *ĝenu- `Knie' kaum als Dissimilationsform für *ĝnū-n- vereinbar wegen der Gutturalverschiedenheit);
vermutlich lit. gliaũmas `schleimiger Abgang vom Schleifstein', gliaumùs `glatt, schlüpfrig', lett. glaũms, glums `schleimig', wenn `schleimig = zusammenklebend, sich zusammenballend', vgl. Mühlenbach-Endzelin I 622; vgl. mit -s- norw. klyse (*klūsion-) `schleimiger Klumpen', das von mnd. klūs `Masse', nnd. `Knäuel, Wirre, Masse', ndd. klū̆ster `Büschel, Traube', ags. clūster, clȳster n. ds. nicht zu trennen ist; vgl. von einer Wzf. *gle-s- anord. klasi `Klumpen von Beeren oder Früchten, Masse'.
Erweiterung mit -t-:
gr. γλουτός (τα γλουτά) `Hinterbacke, Gesäß', τὰ γλούτια `zwei Erhabenheiten des Gehirns';
sloven. glûta, glúta `Beule, beulenartige Geschwulst, Baumknorren' (Berneker 309);
ablautend ags. clūd m. `a mass of rock, hill', engl. cloud `Wolke' (`Wolkenballen'), vgl. mit Geminata (*kludda-) ags. clodd (engl. clod) `Erdklumpen'.
Erweiterung mit -d-:
mnd. klōt m. `Klumpen; Hode', mhd. klōz, nhd. Kloß, ags. cléot, engl. cleat `Klumpen, Keil'; ablautend mnd. klūt, klūte `Erdklumpen', ostfries. klūt `Klumpen, Bruchstück' (in Weiterentwicklung letzterer Bed. auch :) ags. clūt m., engl. clout `Lappen; Metallplatte', spätanord. klūtr `Lappen, Klumpen'; mit expressiver Geminata (*klutta-) ags. clott (engl. clot) `Klumpen' = mhd. kloz, nhd. Klotz.
Vielleicht hierher lit. glaudžiù, glaũsti, lett. glaũst `mache etwas eng anschmiegen', glaudùs `anschmiegend, dicht anliegend', glúdoju `liege angeschmiegt da' (vgl. Mühlenbach-Endzelin I 622 f.);
russ. glúda `Klumpen, Kloß'.
Erweiterung mit -bh-:
sylt. fries. klēpi `küssen', russ. glýba `Klumpen, Block', g. zemli `Erdscholle' (Berneker 310; vgl. zum -b- unten *gle-b-), vielleicht lit. glaũbti `an die Brust drücken', glaubstýti `liebkosen'.
E. glei-, z. T. mit weiterer, konsonantischer Ableitung (bes. glei-t-, -d-, glei-bh-; glei-m-) `kleben, schmieren', aber wohl ursprüngl. abgeleitet von gel- `ballen'; nach Specht Dekl. 144 Grundbed. `glänzend' (zu ĝel-, gel-?); nominal: gli-i̯o-, -no-, -tu-; gloi-u̯o-.
Gr. γλία f. `Leim' (sl. *glьjь, s. unten), γλίνη ds. (: sl. glěnъ, glina, ahd. klenan, air. glenim s. unten), γλοιός `klebrige Feuchtigkeit', γλοιός `klebrig, feucht' (*γλοιός: lett. glievs, slav. *glěvъ, s. unten), γλιττόν γλοιόν Hes. (*γλιτ-ός: lit. glitùs usw.), γλίχομαι `hefte mich an etwas, verlange heftig', γλίσχρος `leimig, zäh, schlüpfrig' (vermutlich mit -ρο- von einem *γλίσχω aus *γλίχ-σκω);
lat. glūs, -tis, glūten, -inis n. `Leim', glūtinō `leime zusammen' (ū aus oi, vgl. das ablautende:) glis, -tis `humus tenax', glittūs `subactis levibus, teneris' (Grundf. *gleitos mit intensivem tt);
air. glenim (*gli-nā-mi), cymr. glynaf `adhaereō'; dazu ferner air. fordíuclainn `verschlingt', nach Pedersen KG. II 540 aus for-dí-uks-glen- zu *glenaid (aus *gl̥-nā-ti); auch bret. geot `Gras' aus *gel-tā (Marstrander Prés. nas. 30 f.);
ags. clǣg (engl. clay), mnd. klei `Lehm', dän. klæg `zäher, fetter, lehmiger Schlamm' (germ. *klajja-; dazu ndd. kleggen `klettern'); ablautend norw. dial. kli `Schlamm, Lehm' (die Ableitung mnd. klick `Lehmerde' wohl nach slick `Schlick, Lehmerde'?), ahd. klenan `kleben, schmieren' (= ir. glenim, s. oben, vgl. auch nominal γλίνη usw.; ist klenan als st. V. in die e-Reihe übergetreten, daher auch anord. klunna `festhangen'?); hochstufig anord. klina `beschmieren' (*klīnian, schw. V.), mit oi norw. kleina ds.;
lit. gliejù, gliẽti `beschmieren', refl. gliẽtis `kleben bleiben';
sl. *glьjь in russ. glej `Ton, Lehm', poln. glej `schlammiger Boden' (: gr. γλία; erweitert russ. mdartl. glëkъ `Schleim, Blutwasser' aus *glь-kъ);
gleibh- (slav. Entsprechungen s. unten); an sich auch aus idg. *glei-p- herleitbar in
ahd. klëbēn `kleben, haften, festsitzen', as. kliƀōn, ags. clifian, cleofian `kleben, anhangen', ags. clibbor `klebend', hochstufig ahd. klīban `haften, kleben', as. biklīƀan ds., ags. clīfan `haften', anord. klīfa `klettern (sich anheften, anklammern)', mndl. clīven ds.; ahd. klība, as. klīva, ags. clīfe `Klette'; mit -oi- ahd. kleiben `befestigen (kleben machen)', nhd. kleiben `kleben, kleistern'; ags. clǣfre (*klaiƀriōn-), mnd. klāver, klēver `Klee'; hierher auch anord. kleif f., klif n. `steile Anhöhe', ags. clif n., mnd. klif `Klippe', ahd. klep (-b-) `Vorgebirge', mndl., mnd. klippe f. `Klippe' (daraus nhd. Klippe als `glatter Felsen', wie air. slīab `Berg' zu Wz. *sleib- `gleiten'); inwieweit in ags. ahd. klimban `klimmen, klettern' neben *gle-m-bh auch eine nasalierte Form von *glei-bh- unterläuft, ist unklar;
aksl. u-glьbl'ǫ `bleibe stecken' Aor. uglъbǫ, ἐνεπάγησαν', uglebъ (e = ь) `ἐνεπάγην', ablautend (*oi) russ.-ksl. uglěbl'evati `infigere', und (*ei) serb. glîb `Kot' (Berneker 310).
glei-d- in mir. glōed `Leim', ags. clāte f. `Klette', clīte f. `Huflattich', engl. dial.clote, clite, cleat `Klette', clite `Leim, Schlamm' (: lett. glī̀dêt `schleimig werden', vgl. Mühlenbach-Endzelin I 626, 627).
mit m-Formans: ags. clām `klehriger Stoff, Lehm', wozu anord. Kleima `Name einer Riesin' ags. clǣman `schmieren', ahd. chleimen `leimen';
lett. gliemezis, gliems, glieme `Schnecke, Muschel'; lit. gléimės `Schleim', glimùs `schleimig'; lett. glaĩma `Scherz, Schmeichelei', glaĩmuôt `scherzen, schmeicheln, liebkosen'(vgl. norw. dial. kleima `schmieren : liebkosen'); Mühlenbach-Endzelin I 621, 628 f.; Trautmann 92; über lit. glė̃mės s. oben S. 361;
sl. *glěmyždžь in čech. hlemýžd' `Schnecke'.
mit n-Formans (s. o. γλίνη usw.) russ.-ksl. glěnъ `Schleim, zähe Feuchtigkeit', glina `Ton';
glei-t- in ags. ætclīþan `festkleben, anhangen', schwachstufig cliða, clioða m. `Wundpflaster', ags. cliðe `Klette' (`die anhaftende'), ahd. kledda, kletta, ndl. klis, klit `Klette', nhd. klettern; auch wohl mhd. kleit, nhd. Kleid, ags. clāð ds.; mhd. klīster `Kleister', nisl. klīstra `kleistern' (als *gleit-tro- hierher oder mit dem germ. Formans-stra- von der einf. Wzf. *klī-, idg. glei-); norw. kleisa `kleben; (mit der Zunge kleben =) lispelnd oder unrein reden', anord. kleiss ī māle `stotternd'.
lit. glitùs `glatt, klebrig', glytė̃ `Nasenschleim, pl. Fischleim', lett. glîts `glatt, nett, hübsch'; lett. glīstu, glīdu, glîst `schleimig sein und werden', glīdēt `schleimig werden', gleîsts `Schwätzer'; s. Mühlenbach-Endzelin I 624, 627; vgl. oben S. 363 gr. γλιττόν;
vielleicht in russ. (usw.) glistъ, glistá `Wurm, Regenwurm, Bandwurm' (oder zu nhd. gleiten; Berneker 304);
mit u̯-Formans: germ. *klaiwa-, ahd. klēo-, klē `Klee' (nach dem klebrigen Saft der Blüte?) und *klīwōn-, mnd. klīe, ahd. klīwa, klīa, nhd. Kleie f. (wenn mit idg. ī, so ablautgleich mit lett. glīwe `Schleim').
lit. gléivės f. Pl. `Schleim', lett. glēvs `zäh wie Schleim, schlaff' (ob mit ē aus idg. *ē[i]?; über lit. glė̃mės s. oben S. 361 unter glem-), lett. glievs `schlaff' (= γλοιός), glīve `Schleim, grüner Schleim auf dem Wasser' (: ahd. klīwa, s. oben);
sl. *glě̌vъ (: lett. gli̇vs, γλοιός) in russ. dial. glevъ m., glevá f. `Schleim der Fische', poln. gléwieć (daneben gliwieć) `verderben (vom Käse'), ablautend klr. klýva `Leberschwamm (eine Pilzart'), serb. gljiva `Schwamm, Agaricus';
ahd. kela, ags. ceole `Kehle, Schlucht, Schiffsschnabel' (*kelōn-), ceolor, ahd. celur m. `Schlund'; aisl. kjǫlr m. (*kelu-) `Schiffskiel', mnd. kel, kil, engl. keel ds.; mit g-Erweiterung ahd. kelah, -uh `Halsgeschwulst', anord. kjalki m. `Kinnbacken, Kiefer (auch Handschlitten)'; tiefstufig dän. kulk `Schlund, Kehle', mnd. kolk, kulk, afries. kolk m. `Wasserloch' (nhd. Kolk), ags. cylcan, nhd. mdartl. kölken, kolksen `aufstoßen, speien', wie lett. gulgâtiês `rülpsen, sich erbrechen' (Mühlenbach-Endzelin I 678), womit slovak. glg `Schluck, Zug' vielleicht zusammenhängt (schallnachahmend?).
Vgl. mit anderer Erweiterung schwed. dial. kulp `Schluck', norw. kulp `Wasserloch', ndd.kolpen, külpsen `aufstoßen'.
B. Sicheres gʷel- nur im Gr.: δέλεαρ, -ατος `Köder' (*δέλε-αρ); daneben δει̃λαρ (Callim.) aus *δέλ-αρ von der einsilbigen Basis, und äol. βλη̃ρ aus *βλη-αρ von der schweren Wzf. *gʷ(e)lē-; δέλε-τρον `Köder', δέλος n. ds.; βλωμός `Bissen, Brot' (*gʷlō-); κα-βλέ-ει, κατα-βλέ-θει καταπίνει Hes. von der Wzf. *gʷ(e)le-, ebenso βλέορον (recte βλέθρον?) βάθος, δεσμωτήριον Hes. (`βάραθρον', Fick BB. 29, 196), βλέ-τυες αἱ βδέλλαι Hes.; vgl. Schwyzer Gr. Gr. I 519;
im Guttural zweideutig: lat. gula (*gʷelā?) f. `Schlund, Speiseröhre', vgl. im Vokal arm. klanem, Aor. 3. Sg. ekul `verschlingen', wobei -u- immerhin eine Nachwirkung des Labiovelars sein könnte; auf *gʷl̥-tó-s beruht *glut-ós, das vorausgesetzt wird von aksl. *glъtati (russ. gɫotátь) `schlucken', *glъtъ `Schlund', russ. gɫot, gɫotók `Schluck, Mundvoll', čech. hlt; vgl. auch lat. *gluō, die Grundlage von ingluviēs `Kehle, Gefräßigkeit', glūtus `Schlund', glūtiō `verschlucke, verschlinge', glūt/t/ō, -ōnis `Schlemmer'.
gr. γελανδρόν ψυχρόν Hes. ist vielleicht falsch überliefert (WH. I 867); das gallorom. *gelandron `Frost' (Hubschmied VRom. 3, 130) ist besser mit Bertoldi (ZrPh. 56, 187) und Wartburg (s. v. *gelandron) durch Einfluß von lat. gelū auf gallorom. *calandron ds. (mit mediterr. Endung) zu erklären, zu air. caile `(weißer) Fleck'; wieder anders Specht Dekl. 130; über gallorom.*gelabria `Frost' s. Wartburg s. v. *calabra und gelabria; Hubschmid Praeromanica 18 ff.
über lat. glacies s. unten;
anord. kala, kōl `kalt sein, frieren' (unpers. m. Akk. mik kelr), ags. calan ds. (hine oderhim cælþ `ihn friert') mit a durch Umbildung eines Kaus. *kaljan = *golei̯ō `kalt machen', woher auch die impers. Konstruktion mit Akk.; ags. ciele m. (nengl. chill) aus *kali `Kälte'; als Partiz.dazu got. kalds, ahd. (usw.) kalt, nhd. kalt (dazu anord. kelda aus *kaltiōn- `Quelle', finn. Lw. kaltio; mit Ablaut, auf Grund der älteren Form *kul-da- des Partiz., anord. kuldi m. = mnd.külde f. `Kälte'); dehnstufig ags. cōl, ahd. kuoli, nhd. kühl, wovon ags. cēlan, ahd. kuolen, nhd. kühlen, anord. kø̄la ds., schwachstufig anord. kul (kol) n. `kühle Brise', kylr m. `Kälte';
mit gebrochener Redupl. idg. *gla-g- (die Basis scheint also *gelǝ- gewesen zu sein), anord. klaki m. `gefrorene Erdrinde', womit lat. glacies `Eis' unter der Annahme zu verbinden ist, daß *glagiēs nach aciēs (und anderen Worten auf -aciēs) umgestaltet wurde;
hierher auch schweiz. challen `erstarren (von Fett)', ags. cealer, calwer m. `dicke Milch', mnd. keller ds. (`Erstarren' ist zunächst das Erkalten, z. B. von Fett); ahd. chalawa, mhd. kalwe `Schauder', wohl ursprüngl. `sich vor Schauer wie vor Kälte schütteln'; nach Machek (Slavia 16, 195) vielleicht hierher mit expressivem ch- aksl. chladъ `Kühle, Kälte' (*gol-do-).
gr. γελάω, ἐγέλα(σ)σα `lachen', γελαστός `lächerlich', dor. (Pind.) γελᾱνής `lachend, fröhlich' (*γελασ-νής auf Grund von *γέλας, n. zu m. γέλως, ursprüngl. s-Stamm wie κρέας, idg. *ĝele-s, äol. zu γέλος n. umgebildet), γέλως, -ωτος, Akk. γέλω m. `Gelächter' (wohl nach γελάω umgefärbtes *γαλώς = arm. caɫr ds.); γελει̃ν λάμπειν, ἀνθει̃ν Hes.; mit Reduktionsstufe der 1. Silbe Γαλα-τεία Nereidenname (?), γαληνός `heiter, ruhig' (*γαλασνός), γαλήνη (äol. hochstufig γέλᾱνα) `Heiterkeit, Meeresstille';
mit Schwundstufe der 1. Silbe γλη̃-νος n. Prachtstück', γλήνη `Augenstern'.
ĝlǝi- in γλαινοί τὰ λαμπρύσματα Hes., zunächst zu ahd. kleini `glänzend, zierlich, fein' (nhd. klein, in älterer Bed. noch in Kleinod und schweiz. chlein und chlīn, mit unerklärtem ī), ags. clǣne `rein', engl. clean;
mit Formans -u̯o-: ἀγλα[]ός `hell herrlich' (*ἀγα-γλαός?), ἀγλαΐα `Glanz Pracht' (hierher auch ἀγάλλω `verherrliche schmücke, Med. sich zieren, freuen', mit ἀ- == n̥ `ἐν'? Ein anderer Versuch bei Boisacq 5);
über ags. clǣnе `rein', ahd. kleini `glänzend' s. oben;
die keltischen und baltoslav. Farbadjektiva air. gel `leuchtend, weiß', glan `rein', lit.gel̃tas `gelb, blond' usw. möchte ich wegen der germ. Parallelen lieber zur Farbwurzel ĝhel-stellen (s. dort); nur wenn galbus echt lat. wäre, müßte es samt lit. gul̃bis usw. hierher gestellt werden.
slav. *globiti in poln. wy-gɫobić (*globh-), imperfektiv -gɫabiać `aushöhlen', sloven. glǫ́b-am (-ljem), -ati `aushöhlen; auswetzen; nagen', bulg. glob m. `Augenhöhle'; russ. globà `Querbalken, lange Stange', Iterativ serb. glȁb-âm, -ati (*gḷbh-) `nagen'; hierher vielleicht nach Machek (Slavia 16, 199 f.) als nasalierte Form abg. glǫbokъ `tief' und mit expressivem ch- abg. chlębь f. `Tiefe, Abgrund'.
Neben diesen an sich auf idg. *glā̆̆bh- oder auf idg. *globh- : gl̥bh- zurückführbaren Worten steht ein damit unter *gelebh-, gelobh- vereinbares *gelbh-, *golbh- in aksl. žlěbъ, russ. žolob usw. `Krippe, Rinne', russ. želobítь, sloven. žlę̇biti `auskehlen',
und gallorom. gulbia f. `Hohlmeißel', air. gulban (*gulbīno-) `Stachel, Schnabel', abret. golbina `rostratam', acymr. gilb `foratorium', gilbin `acumine', ncymr. gylf, -in, -ant `Schnabel', acorn. geluin `rostrum' (idg. *golbh-).
gr. γαλέη (*gelei̯-ā, ursprüngl. `die mausartige'?) `Wiesel, Marder', woraus entlehnt lat. galea ursprüngl. `*Haube aus Wieselfell', dann `Lederhelm; Haube auf dem Kopf afrikanischer Hühner' (auch galērus `Pelzkappe, Perücke' ist einem unbelegten gr. *γαληρός entlehnt); zu γαλέη auch γαλιάγκων (γαλι- = ai. giri-), ferner γαληόψις, γαλεόβδολον `Taubnessel', eigentlich `Wieselauge', wohl auch γάλιον ds.;
lat. glīs, glīris `Haselmaus, Bilchmaus, Siebenschläfer' (diese Flexion vermutlich nach mūs, mūris); rom. auch *glēre, vgl. frz. loir neben liron.
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